Die Schrift

November 17th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Qual der eingeschränkten Wahl

Nicht alle Schriften sind für den Einsatz am Bildschirm geeignet. Serifenschriften (d.h. Schriften mit einem “Füßchen” am Buchstabenende) werden in in kleiner Schriftgröße undeutlich dargestellt. Das  ipad besitzt jedoch mit 132 dpi eine fast doppelt so hohe Auflösung wie übliche Bildschirme und Serifen sind deutlich erkennbar.

Kriterien für eine gute Lesbarkeit von Schriften sind große Innenflächen der Buchstaben (Punzen) und eine hohe x-Höhe der Buchstaben  (s.h. http://idblog.hdm-stuttgart.de/appdesign/). Als “websicher” gelten Arial, Arial Black, Comic Sans MS, Courier New, Georgie, Impact, Times New Roman, Trebuchet MS und Verdana (www.typetester.de).

Ansprache der Zielgruppe

Neben der Lesbarkeit hat die Schrift auch Eigenschaften, die einen Eindruck/ Gefühl für das Produkt vermitteln. Diese  Wirkung sollte sowohl zur  Zielgruppe als auch zum Produkt passen. Der Gestalter muss sich also überlegen, ob die  Schrift konservativ oder modern, formell oder informell, einfach oder künstlerisch, natürlich oder elegant usw. wirkt.

Die Schriftgröße

Für die Schriftgröße in Software gibt es eine Formel von Wandmacher (1993, Software- Ergonomie) – diese berücksichtigt “günstige/ ungünstige Lesebedingungen ” und “normale/ kritische Informationen”. Bei einem Augenabstand von 300 mm errechnet sich bei günstigen Bedingungen eine Buchstabenhöhe von 2, 2 mm (zum Vergleich: ungefähr 6 pt im Druck) und bei ungünstigsten Bedingungen 6,67mm (19 pt im Druck).

Für die Lern-App hilft diese Spannbreite nicht weiter: die Mindestgröße von 2,2 mm wird auf alle Fälle überschritten und ungünstige Bedingungen bzw. kritische Informationen soll(t)en nicht vorkommen.

Anmerkung: da die Auflösung varrieren kann, muss die Schriftgröße am Bildschirm in mm angegeben werden (Pt ist unbrauchbar, da nur bei 72 dpi 1pt=1px).

Die Schriftwahl

Für die interaktive Lern-App des Biologiebuchs sollte die Schrift sowohl “zeitlos” (klassisches Buch) und freundlich (“ansprechend” für Kinder) wirken.

Für die längeren Texte (z.B Einleitung) und Kennzeichnung der Kaptitel, Themen und Inhalte soll deshalb eine Serifenschrift verwendet werden. Diese ist zum einen auch bei längeren Texten gut lesbar, da die Serifen den Lesefluss unterstützen. Zum andereren verstärken sie die Buchmetapher, da Serifenschriften üblicherweise in Printmedien eingesetzt werden.

Um die Bereiche statisch (nur Lesen) – interaktiv (Bedienung möglich) deutlich abzugrenzen, soll für interaktive Elemente (Infografik, Hyperlinks, Dialogelemente) eine serifenlose (Grotesk-) Schrift verwendet werden.

Welche Serifenschrift?

Als Serifenschriften wurden Georgia, Times New Roman, Contantia und Cambria verglichen. Times New Roman ist vom Druckmedium schwer wegzudenken. Die Constantia hat zu niedrige “Gemeine” (Kleinbuchstaben). Schliesslich wurde die Georgia ausgewählt, da sie vor allem als Überschrift sachlicher wirkt als die Cambria und die Vorgabe der Inhalt eines Schulbuchs ist und keine Unterhaltungsliteratur.

Welche Grotesk-Schrift bwz. welche Schriftmischung?

Die Grotesk-Schrift muss also zur Georgia passen. Diese Wahl ist sehr heikel. Für Schriftmischungen gibt Claudia Runk (Grundkurs Typographie und Layout, o.J.) 3 Faustregeln:

1. Mischung innerhalb einer Familie

2. Unterschiedliche Schriften mischen

3. Schriften mit ähnlichen Strukturen mischen.

Die Schriften werden zwar nicht in einem Text gemeinsam genutzt, doch sie sind gemeinsam auf einem Bilschrim zu sehen und sollten nicht zu gegensätzlich wirken. Deshalb soll vor allem Punkt 3 beachtet werden. (Punkt 2 ist durch die unterschiedlichen Klassen gegeben).

Verdana und Arial sind zu “statisch”, die Tahoma und Segoe UI haben zu hohe Oberlängen und die Candara und Corbel wirken “breiter” und zu dynamsich. Die Wahl fiel auf  die Calibri. Sie wirkt freundlich und doch ruhiger als Candara und Corbel. Als Alternative finde ich auch die Trebuchet denkbar – aber sie ist etwas eleganter.

Das ist eine subjektive Einschätzung. Ich freue mich über Kommentare. Dazu die Grafik mit links dem statischen Text (Georgia) und ein Text aus der Infografik in den Grotesken (bitte anklicken und nochmals vergrößern).

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